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Ramona Hönl

Vom Bürobedarf zur Luftfahrt – philippinische Familie erobert die Blechfertigung

I n den 1950er Jahren machte sich ein kleines philippinisches Familienunternehmen einen Namen mit der Herstellung von Büroartikeln. Cherimel produzierte Büroklammern, Heftklammern, Schnellhefter, Schreibmaschinenbänder, Ringordner oder Drahtklammern für Aktenordner. Seitdem hat das Unternehmen seine Kompetenzen weiterentwickelt und ausgebaut. Heute fertigt Cherimel Panzerungen für Fahrzeuge, biegt Schränke und Kioske in Form, schneidet Motorradteile per Laser, formt kundenspezifische Metalltanks, stanzt maßgeschneiderte Designverkleidungen und vieles mehr. Cherimel expandiert sogar in die Luftfahrtindustrie. Was auch immer die Kunden wünschen, Cherimel macht es möglich. Und all das dank der Technologie von TRUMPF – und einer Unternehmenskultur, die keine Angst vor dem Experimentieren hat.

Dass Cherimel Philippines Inc. auf Wachstumskurs ist, zeigt sich schon beim Betreten des Firmenparkplatzes. Viele Mitarbeitende sind bereits bei der Arbeit, ihre Autos parken in Reih und Glied vor den vier Meter hohen Metalltoren zur Produktionsstätte. Cherimel hat seinen Hauptsitz in Caloocan, einer Stadt im Norden des Ballungsgebiets der philippinischen Hauptstadt Manila. Hohe Bäume wiegen sich über die Außenmauern des Firmengeländes und üppiges Grün füllt die Freiflächen zwischen den Gebäuden. Das Firmen­schild ist von einem Gitter aus Pflanzkästen mit Farnen, Palmen und anderen Pflanzen umgeben, eine attraktive Metallarbeit, die Nathaniel und Andrew Cu selbst angefertigt haben. „Das war unser allererster Laser, eine Drei-Kilowatt-Maschine“, erzählt Nathaniel Cu und zeigt auf eine TruLaser 3030 gleich hinter den Metalltoren. Dieser Laser markierte den Beginn von Cherimels Entwicklung zu einem Hightechunternehmen, das so gut wie jeder Metallbearbeitungsaufgabe gewachsen ist – und auch den Eintritt von TRUMPF in den philippinischen Markt.

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Partnerschaft: Seit acht Jahren begleitet TRUMPF die Transformation zum Hightechunternehmen.

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Cherimel: Das Firmen­schild ist von einem Gitter aus Pflanzkästen mit Farnen, Palmen und anderen Pflanzen umgeben.

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Fortschritt: Ob Laser- oder Stanztechnik, Cherimel kann heute ganz individuelle Kundenwünsche erfüllen.

Nach den Töchtern des Gründers benannt

Nathaniel und Andrew Cu leiten Cherimel in der dritten Generation ihrer Familie. Die Unternehmensführung liegt seit 2010 in ihrer Hand, ihr Vater Jeffrey Cu ist seit 1994 Präsident des Unternehmens. Die Ursprünge von Cherimel reichen jedoch bis ins Jahr 1950 zurück, als ihr Großvater Paul Eiaw die Cherimel Manufacturing Corp. gründete. Erst als Jeffrey Cu das Unternehmen 1994 übernahm, änderte er den Namen in Cherimel Philippines Inc. Dabei behielt er das erste Wort Cherimel bei, das sich aus den Namen der Töchter seines Schwiegervaters, Cherie und Nellie, zusammensetzt. „Unser Großvater beschloss, den Fehler der Registrierungsbehörden nicht zu korrigieren, die fälschlicherweise ein ‚m‘ anstelle eines ‚n‘ geschrieben hatten“, so Nathaniel Cu.

Im Laufe der Jahre hat jede Generation der Familie dem Unternehmen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Der Großvater von Nathaniel und Andrew Cu war vielleicht am besten dafür bekannt, dass er als Erster weltweit Büroklammern herstellte und die feingliedrigen Metallbeine alter Singer-Nähmaschinen fertigte. Er hatte aber auch Spaß daran, seine eigenen Wagenheber herzustellen. „Unser Großvater liebte es, Dinge zu fertigen, die sonst niemand herstellen wollte“, erinnert sich Nathaniel Cu. Er fertigte auch die ersten Stanzblechteile für die Motorradindustrie, darunter die Metallschilder mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) und dem Modellnamen. Ihr Vater, Jeffrey Cu, baute das Unternehmen weiter aus: Er verlegte den Firmensitz Anfang der 2000er Jahre an den neuen Standort in Caloocan und erweiterte das Portfolio um Kunden aus der Automobilindustrie.

Das Motto des Unternehmens lautet „Cherimel erledigt den Job“ – ein Hinweis darauf, wie hart es daran arbeitet, die Bedürfnisse seiner Kunden zu erfüllen. Anstatt sich auf eine bestimmte Branche oder Produktgruppe zu konzentrieren, entschied sich die Familie Cu dafür, so agil und vielseitig wie möglich zu bleiben und sich auf Wachstum zu fokussieren. Heute beschäftigt das Unternehmen 90 Mitarbeiter. Als Jeffrey Cu das Unternehmen 1994 übernahmen, waren es noch weniger als 30. „Als ich das Ruder übernahm, war es mein Ziel, ein Hightechfertigungsunternehmen aufzubauen“, so ­Nathaniel Cu. Zu diesem Zeitpunkt konnte Cherimel Bleche nur biegen und stanzen, jedoch nicht schneiden. „Wir hatten Mühe, bestimmte Kundenwünsche zu erfüllen, also brauchten wir unbedingt einen Laser“, erzählt Nathaniel Cu. Im Jahr 2015 bestellte er eine TruLaser 3030. Im Januar 2016 schnitt die Maschi­ne die ersten Blechteile. Zu diesem Zeitpunkt ging die Nachfrage nach Stanzartikeln zurück, es war also genau der ­richtige Zeitpunkt, um die Produktion des Unternehmens grund­legend umzustellen.

Ein Pioniersektor auf den Philippinen

Anfang der 2000er Jahre hatte TRUMPF noch keinen Zugang zum philippinischen Markt. Viele lokale Unternehmen arbeiteten mit anderen Herstellern zusammen. TRUMPF hatte noch kein Team von Servicetechnikern im Land, und auch Cherimel hatte das deutsche Hightechunternehmen noch nicht auf dem Schirm. Doch heute sieht das ganz anders aus. Ein grüner Gang schlängelt sich durch die 5.000 Quadratmeter große Produktionshalle, vorbei an versandfertigen Metallschränken, Geldautomatengehäusen und gelb-roten Vitrinen für eine bekannte Fastfood-Kette. Die Maschinen stehen fein säuberlich aufgereiht zwischen den fertigen Produkten: drei TruLaser 3030 mit drei, sechs und zehn Kilowatt Leistung, zwei TruPunch 5000, die TruBend Center 5030, eine TruBend 3100 und eine TruBend 7036. Im Februar 2024 wird TRUMPF zudem eine TruBend 5170 ausliefern.

Über einen Zeitraum von acht Jahren hat Cherimel jedes Jahr eine neue TRUMPF Maschine angeschafft. Diese konsequente Transformation zum Hightechunternehmen ermöglicht es, komplexere Aufträge zu übernehmen. Während ihr Großvater Produkte für die Motorradindustrie herstellte und ihr Vater sich auf die Automobil-industrie konzentrierte, sind die beiden Cu-Söhne nun damit beschäftigt, neue Märkte zu erschließen. Cherimel ist als ISO- und AS-Unternehmen bestens dafür aufgestellt, die Luft- und Raumfahrtindustrie zu beliefern. In seinem modernen Werk stellt das Unternehmen neben Teilen für Lkw-Fahrgestelle auch Karosserieteile her. Angesichts dieses großen Tätigkeitsfelds wird der Platz im Werk immer knapper.

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Digitalisierung: Der nächste Schritt in die Zukunft des Unternehmens wird die Umstellung zur Smart Factory.

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Wachstum: Ein junges, dynamisches Team unterstützt Cherimel auf den Philippinen, ein Alleskönner zu sein.

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Generationenübergreifend: Jeffrey Cu (Mitte) und seine Söhne Nathaniel (links) und Andrew führen Cherimel in die Zukunft.

Nächster Schritt: die Smart Factory

Das nächste Ziel der Cu-Brüder ist die Umstellung auf eine Smart Factory. Für Nathaniel Cu ist klar: „Digitalisierung ist der Schlüssel zu noch mehr Effizienz. Unsere Vision ist es, ein effizientes, papierloses System für unsere Lieferanten und Kunden zu schaffen.“ Auch hier hilft TRUMPF: Die Software Oseon ermöglicht den nächsten Schritt hin zur vollautomatisierten Blechbearbeitung. „Wir wollen ein agiles Unternehmen mit unbegrenzten Kapazitäten aufbauen, das die Ressourcen noch effizienter nutzt. So können wir unseren Kunden einen noch nachhaltigeren Fertigungsprozess anbieten“, so Nathaniel Cu.

Der Vater von Andrew und Nathaniel Cu war ein Elektroingenieur mit einer Vision; jemand, der an nachhaltige Produkte glaubte, die recycelt und wiederverwendet werden können. Die Brüder sind entschlossen, diese Vision fortzuführen, deren Kern ihr Vater im Firmenlogo festgehalten hat. Inmitten der Pflanzkästen am ­Eingang der Produktionshalle hängt das Firmenzeichen von Cherimel – aus Blech geschnitten zeigt es ein Zahnrad mit einem Herz in der Mitte, das von einem Ring aus neun Sonnenstrahlen geschützt wird. In Religion und Mythologie ist neun die Zahl, die für Vollendung und Erfüllung steht. Und das ist Cherimel – ein Unternehmen, das den Job für seine Kunden erledigt.

Erstellt am 01.02.2024
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